Die größten Ablenkungen, die die Sicherheit von Berufskraftfahrern gefährden
Ablenkung am Steuer geht weit über das SMS-Schreiben am Steuer hinaus. Welche Ablenkungen verdienen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit die größte Aufmerksamkeit? Hier eine Übersicht:
Mobile Geräte
- Das Schreiben von SMS während der Fahrt erhöht das Unfallrisiko um das 23-fache.
- Selbst das Wählen eines Telefons lenkt den Fahrer für entscheidende Sekunden ab und erhöht die Unfallwahrscheinlichkeit erheblich.
- Das Telefonieren mit einem Mobiltelefon wirkt sich negativ auf die Reaktionszeit aus.
Bediengeräte in der Kabine:
- Kommunikationssysteme wie Tablets und Panels können die Wahrscheinlichkeit eines sicherheitskritischen Ereignisses um das bis zu Zehnfache erhöhen.
- Das Anpassen von GPS-Navigation, das Protokollieren von Daten und das Aktualisieren von Flottenmanagementsystemen lenken die Aufmerksamkeit ab, insbesondere wenn dies nicht sicher durchgeführt wird.
Körperliche Aktivitäten:
- Beim Essen und Trinken Hände und Augen von der Straße abwenden.
- Papierkram, das Greifen nach Gegenständen oder andere Aufgaben in der Kabine führen zu weiteren Konzentrationsschwächen.
Es ist wichtig zu erkennen, dass selbst Tools, die eigentlich zur Verbesserung der Betriebsabläufe gedacht sind, bei Missbrauch zu erheblichen Ablenkungen führen können.
Neue Ablenkungsquellen: Technologie und die moderne Lkw-Kabine
Moderne Transportfahrzeuge sind „Arbeitsplätze auf Rädern“ und vollgepackt mit digitalen Tools für Navigation, Compliance und Kommunikation. Diese Technologien bieten zwar wichtige betriebliche Vorteile, bringen aber auch neue und oft unterschätzte Ablenkungsquellen für Berufskraftfahrer mit sich. Fahrerkabinen-Technologien wie fortschrittliche Infotainmentsysteme, elektronische Aufzeichnungsgeräte (ELDs) und sogar einige Fahrerassistenzsysteme (ADAS) können um die visuelle, manuelle oder kognitive Aufmerksamkeit des Fahrers konkurrieren.
Die Definition von abgelenktem Fahren hat sich erweitert, um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen. Es geht nicht nur um Mobiltelefone; die Interaktion mit komplexen Fahrzeugsystemen, das Reagieren auf schlecht konzipierte Warnmeldungen oder das Missverständnis der Funktionsweise von ADAS-Funktionen tragen zu Ablenkungsrisiken bei. Wenn Fahrer beispielsweise zu viel Vertrauen in die Automatisierung setzen oder durch die Warnmeldungen der Benutzeroberfläche verwirrt werden, kann ihre Fähigkeit, sich voll auf das Verkehrsgeschehen zu konzentrieren, abnehmen. Studien zeigen, dass die Interaktion mit Dispositionsgeräten oder Flottenmanagement-Schnittstellen nicht nur die manuelle und kognitive Belastung erhöht, sondern auch das Risiko sicherheitskritischer Vorfälle deutlich erhöht.
Dies erfordert von Speditionen bzw. Frachtführern eine regelmäßige Überprüfung ihrer Schulungsprotokolle und Unternehmensrichtlinien. Es ist unerlässlich, dass alle Technologien benutzerfreundlich und nahtlos integriert sind – andernfalls können genau die Tools, die für einen sicheren Transport sorgen sollen, unbeabsichtigt die Risiken erhöhen. Telematiklösungen und Überwachungssysteme müssen auf die Bedürfnisse des Fahrers zugeschnitten sein und klares, hilfreiches Feedback liefern, ohne zusätzlich abzulenken.
Wie können diese Probleme gelöst werden? Durch den Einsatz von Telematikplattformen mit automatisierter Datenerfassung und Echtzeitüberwachung, wie beispielsweise den Flottenmanagement- und elektronischen Protokollierungstools von Arealcontrol, werden Fahrer während der Fahrt weniger durch Papierkram oder Dispositionssysteme abgelenkt. Dies trägt zu einem sicheren Fahrverhalten bei und sorgt dafür, dass sich die Fahrer auf die Straße konzentrieren können.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Die finanziellen Folgen von Ablenkung am Steuer gehen weit über die Reparatur eines beschädigten Fahrzeugs hinaus. Haben Sie schon einmal über die tatsächlichen Kosten eines einzelnen Unfalls aufgrund von Ablenkung nachgedacht?
Unfälle durch abgelenktes Fahren führen zu einem Anstieg der Versicherungsprämien für Nutzfahrzeuge um bis zu 49 % für die Betroffenen. Zusätzlich zu einem branchenweiten Anstieg von 47 % pro Kilometer in den letzten zehn Jahren können zusätzliche Prämienerhöhungen – oder sogar der Verzicht auf Versicherungsschutz – die finanzielle Stabilität eines Unternehmens gefährden. Unternehmen mit riskantem Fahrverhalten in der Vergangenheit müssen mit den höchsten Prämien rechnen oder können sogar den Zugang zu einer Versicherung ganz verlieren.
Gesetzliche und behördliche Sanktionen führen zu zusätzlicher finanzieller Belastung. Mehrfache Verstöße führen dazu, dass Fahrer arbeitslos werden und Unternehmen sich um die Einstellung und Einarbeitung von Ersatz bemühen müssen, was zusätzliche Kosten verursacht. Angesichts der zunehmenden rechtlichen Kontrolle ist die Sensibilisierung für abgelenktes Fahren für Unternehmen, die ihren Ruf und ihren Gewinn schützen wollen, keine Option mehr.
Warum Müdigkeit und Termindruck die Ablenkung des Fahrers fördern
Die Struktur der Transportbranche selbst kann Fahrer anfälliger für Ablenkung machen. Schafft die Art und Weise, wie wir Flotten verwalten, Bedingungen, die riskantes Multitasking am Steuer fördern?
Viele Berufskraftfahrer werden pro Kilometer oder Ladung bezahlt, was sie dazu verleitet, Abkürzungen zu nehmen: Essen und Trinken während der Fahrt, sofortiges Reagieren auf Disponenten oder Erledigen privater Anrufe unterwegs. Enge Lieferfristen und Just-in-Time-Pläne lassen oft keinen Spielraum für richtige Pausen, was den Druck erhöht, Aufgaben auch unterwegs zu erledigen.
Müdigkeit stellt ein weiteres Risiko dar. Unregelmäßige Arbeitszeiten, lange Schichten und Nachtfahrten verringern die Aufmerksamkeit und führen zu kognitiven Beeinträchtigungen, die denen von Alkohol ähneln. Übermüdete Fahrer greifen häufiger zu Ablenkungen, um wach zu bleiben, beispielsweise durch die Nutzung elektronischer Geräte oder die Ausführung nicht fahrbezogener Aufgaben. Der Termindruck zwingt Fahrer dazu, unterwegs Papierkram zu erledigen oder zu kommunizieren, manchmal unter unsicheren Bedingungen.
Die Lösung? Beheben Sie sowohl die zugrundeliegenden Ursachen als auch das Fahrerverhalten. Eine umfassende Flottenmanagement-Software kann helfen, indem sie Planung, Kommunikation und Routenplanung in einem System integriert.
Lösungen zur Vermeidung von Ablenkungen im Flottenbetrieb
Um abgelenktes Fahren in gewerblichen Flotten zu reduzieren, bedarf es mehr als einer einzigen Maßnahme. Welche praktischen Schritte bewirken tatsächlich etwas?
Klare und durchsetzbare Unternehmensrichtlinien zum Thema Ablenkung am Steuer sind unerlässlich. Diese sollten die Nutzung von Mobilgeräten und andere riskante Aktivitäten ausdrücklich verbieten und die Konsequenzen bei Verstößen festlegen. Effektive Unternehmensrichtlinien gehen noch weiter und klären, wann und wie Fahrer mit der Zentrale kommunizieren sollen. Sie stellen sicher, dass sie nicht bestraft werden, wenn sie warten, bis sie sicher anhalten können. Konsequente Durchsetzung und das Engagement der Führungskräfte fördern echte Veränderungen und stärken das Bewusstsein für Ablenkung am Steuer in der gesamten Belegschaft.
Effektives Fahrertraining muss alle Arten von Ablenkung berücksichtigen und realistische Vermeidungsstrategien vermitteln. Praktische Übungen sollten die Fahrvorbereitung vor Fahrtantritt abdecken – zum Beispiel die Einstellung der Navigation, die Kommunikation mit der Leitstelle und notwendige Anpassungen. Telematik- und Dashcam-Aufnahmen für personalisiertes Coaching liefern aussagekräftiges, praxisnahes Feedback und fördern nachweislich das Ablenkungsbewusstsein und ein sichereres Fahrverhalten.
